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Innenleben - Der Mensch als Lebensunternehmer |
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Menschen von heute sehen sich als Lebensunternehmerinnen und Lebensunternehmer.
Sie wollen das Leben bewusster als Ganzes sehen, nicht nur unter dem Blickwinkel
der Karriere. Ein Schulterschluss zwischen Ökonomie und Psychologie? Die Person von morgen Vor gut 30 Jahren hielt der amerikanische Psychologe, Carl Rogers einen Vortag zum Thema: "Die Person von morgen". Er beschreibt den neuen Menschen als skeptisch gegenüber Dogmen, Hierarchien und Bürokratien. Er hat keine Verwendung für Heuchelei und Fassade. Er ist auf der Suche, ohne fertige Antworten. Er weiss, dass er unsicher ist. Er lebt in einem Rhythmus von Fluss und Struktur, von Wandlung und Stabilität. Er sucht seine eigenen Werte, bewegt sich zwischen Selbstverwirklichung und Anpassung. Er ist offen für sich selbst und gegenüber anderen. Er kann wesentlich freier über sich nachdenken, als dies früher möglich war.Er ist seinen Gefühlen nahe und weiss, dass Rationalität nicht ausreicht. Er liebt es, sich anregen zu lassen. Er sucht Begegnungen, geht das Risiko ein offen zu sein und sich verletzen zu lassen. Er vertraut seiner Erfahrung mehr als äusseren Autoritäten. Wenn er davon abweicht, wird er sich dessen oft bald schmerzlich bewusst und sagt: Hätte ich auf meine Intuition geachtet! Was Rogers vor 30 Jahren als Menschenbild der humanistischen Psychologie beschreiben hat, sind die Lebensunternehmerinnen und Lebensunternehmer von heute: Menschen auf der Suche nach einem erfüllten und selbst gestalteten Leben. Bei Bedarf wenden sie sich ohne weiteres an eine psychologische Beraterin oder an einen Coach. Lebensunternehmer, die sich aus eigenem Antrieb an psychologische Beraterinnen und Berater wenden, sind in der Regel leistungsfähig, angepasst und nicht zufrieden. Sie suchen Sinn und Sinnlichkeit, Mitmenschlichkeit und echte Begegnungen. Sie wollen herausfinden, wo ihre Potentiale liegen und diese entfalten. Sie wollen den Zugang zum Strom ihres inneren Erlebens wieder finden, sich freuen können, staunen, lachen und weinen - Qualitäten, die in der Funktionalität verloren gegangen sind. Trotz Alltagshektik wollen sie den Horizont sehen, das für sie Wesentliche. Der Wille nach Leben Damit jemand aus einer psychologischen Begegnung und Begleitung Nutzen ziehen kann braucht es zweierlei Voraussetzungen auf Seiten des Klienten: Es braucht Leiden und Hoffnung. Lebensunternehmer haben beides (je nach Stimmung in unterschiedlichem Mass). Sie haben Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit und Sehnsucht nach mehr Erfüllung. Sie besinnen sich auf ihre Fähigkeit zu empfinden, Werte zu setzen, sich einer Aufgabe hinzugeben. Aufgeschreckt durch Freundschaften, die in Brüche gingen, Träume, die unerreichbar scheinen, durch innere Leere, Langeweile, Konsum von illegalen Drogen, oder durch ihre Einsamkeit inmitten von gesellschaftlichen Aktivitäten und fachlichen Seilschaften, wird ihnen klar, dass sie zwar überleben können, dass ihnen das aber nicht mehr genügt. Sie wollen leben. Faden zum inneren Wachstum Psychologische Beraterinnen und Berater achten darauf, wo ihr Gegenüber sein Potential unterdrückt oder entfaltet. Sie versuchen herauszufinden, welches Umfeld für ihre Klientinnen und Klienten förderlich sein könnte. Denn sie gehen davon aus, dass jeder und jede nur so gut sein kann, wie das Umfeld zu ihm und ihr passt. Wenn sie sich mit ihren Klienten zusammensetzen, sehen sie sich als Partner mit unterschiedlichem Expertentum. Die Beraterin wird bemüht sein, ihrem Klienten mitzuteilen, was sie von ihm verstanden hat, denn sie will am Ende der Beratung nicht mehr über ihn wissen, als dieser selbst. Idealerweise hat sie den Faden zum eigenen inneren Wachstum behalten, so kann sie ihr Innenleben als Ressource einbringen. Das sind, neben der fachlichen Qualifikation, wichtige Voraussetzungen auf der Seite des Beraters. Ökonomie und Psychologie Ökonominnen und Ökonomen sowie Psycholginnen und Psychologen übten lange Zeit keine grosse Anziehung aufeinander aus. Gegenseitige Vorurteile und Abwertungen prägten ihr Verhältnis: "Die können nur mit Zahlen umgehen, wollen nur Profit machen, sind unmenschlich und unmoralisch". Und: "Die können nur mit Menschen umgehen, oder auch das nicht, denn sie sind abgehoben, da sie selbst spinnen und falls sie doch etwas können, muss man sich vor ihrem Röntgenblick fürchten". So ist es gekommen, dass Ökonomen die Instrumente der Psychologen selbst anwenden. Zur Zeit werden wohl mehr psychologische Tests von Nicht-Psychologen durchgeführt als von Psychologen selbst. Doch vielen genügen die technischen Tools der Psychologie nicht mehr. Heute sehen sich Psychologen wie Ökonomen als Lebensunternehmer, und sie interessieren sich für andere Wissens- und Erfahrungsgebiete. Beide haben Rogers und Dubs in ihrem Büchergestell. Sie alle sind konfrontiert mit Wertentscheidungen und Konflikten. Sie alle suchen nach kreativen Lösungen, Gewinn-Gewinn-Wegen und gehen dazu variable Partnerschaften ein. Ringen um Alternativen |
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Dieser Artikel erschien in: ALPHA, der Kadermarkt der Schweiz, am 21./22.April 2001 |
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